Journalisten schreiben über Reisen mit Christine Dettli

 

„Denn der Raum des Geistes, dort wo er seine Flügel öffnen kann, das ist die Stille.“

Antoine de Saint-Exupéry

 

Eine Reise zwischen Himmel und Erde

Die Wüste als heilsamer Raum für die Seele

 

„Die Stille der Wüste ist pure Medizin in der heutigen Welt“, sagt Christine Dettli. Ihre einzigartigen Reisen führen tief in die Wüstenlandschaften Südmarokkos und bieten Raum für tiefgreifende und transformierende Erfahrungen.

Natur, Stille und tagelanges Gehen sei eine sensationelle Mischung, sagt Dettli. „Man kommt in einen anderen Bewusstseinszustand. Die Seele dehnt sich aus von einem Horizont zum anderen.“ Das Gehen in Stille, so Dettli weiter, biete den heilsamen Raum, um wirklich bei sich anzukommen und sich mit dem Unendlichen verbunden zu fühlen.

Fern vom Trubel der Moderne

Seit 20 Jahren organisiert Christine Dettli Reisen. Von modernen Pilgereisen hat sie sich immer mehr auf meditative Wüstenreisen in Marokko spezialisiert. „Abgesehen von der eigenen Ausrüstung sind wir in der unberührten Natur ausserhalb jeder Zivilisation unterwegs. Das ist extrem kostbar“, sagt Dettli. Denn in unserer Welt drehe sich das Rad der Zeit immer schneller und fordernder. Umso bedeutsamer werde es, Räume der Stille zu finden, und dabei zu erfahren, was das wirklich Wesentliche ist. Ihre Reisen, so Dettli, böten einen einzigartigen Raum dafür. Rund fünf Stunden am Tag ist die Gruppe zu Fuss und auf Kamelen unterwegs, mindestens zwei davon im Schweigen. 

Dettli, die seit 1996 eine Praxis für ganzheitliche Psychologie und Coaching führt, hat viel Erfahrung mit inneren Prozessen. "Es ist die Wüste selbst, die heilsam wirkt oder Antworten auf Lebensfragen gibt“, sagt Dettli. „Meine Aufgabe ist es, den optimalen Rahmen zu schaffen."

Unter Nomaden

Vor Jahren wurde Christine Dettli von Nomaden eingeladen, mit ihnen das Leben zu teilen; zeitweise hat sie bei ihnen in der Wüste gelebt. Ein seltenes Privileg. „Ich teile die Liebe zur Wüste mit den Nomaden“, sagt sie. Zwischen den Nomaden und ihr seien einmalige Beziehungen und tiefes Vertrauen entstanden. „Ich lade die Reiseteilnehmer dazu ein, an dieser einzigartigen Verbindung teilzuhaben.“

Überwältigende Gastfreundschaft

Durch die Freundschaft zu den Nomaden habe sie Trekkingrouten völlig abseits der Touristenpfade und unglaubliche Kraftorte in der Felsenwüste geschenkt bekommen, sagt Dettli. Ihr Führer Brahim ist in der Wüste aufgewachsen. Er kenne alle Pflanzen und ihre traditionelle Anwendung sowie sämtliche Tiere der Wüste und ihre Spuren, so Dettli. „Er liest die Wüste wie ein offenes Buch.“

Dettli arbeitet mittlerweile ausschliesslich mit Nomaden. „Es sind unglaublich würdige, schöne Menschen mit einem tiefen Respekt vor der Natur und vor Fremden. Die Gastfreundschaft ist überwältigend“, sagt sie. „Die Nomaden schaffen die Grundlage dafür, dass die Reise nach innen überhaupt gelingen kann.“

 

 Andreas Krebs, Mai 2013

 

 

Nomadenfest zum 20-Jahr-Jubiläum, mit Teezeremonien, Diashows, arabischen Geschichten und vielem mehr.

Sonntag, 1. September im Gellertgut in Basel,

 

Hilfsprojekte

Seit 2001 sind im Rahmen von Christine Dettlis Wüstenreisen Hilfsprojekte für die Unterstützung der Nomadenkultur entstanden. Finanziert werden sie vor allem mit Spenden von Reiseteilnehmern. Auch die Einnahmen des 20-Jahr-Jubiläums werden in den Bau eines Brunnens fliessen.

 







"Ich erkunde gerne meine Seelen-Landschaft, die Wüste"


Christine Dettli ist meist zu Fuss in der Wüste unterwegs

Wenn Christine Dettli von der Wüste erzählt, wandert ihr Blick in die Ferne und richtet sich gleichzeitig nach innen. "In die Natur zu reisen und die Verbindung zu mir selbst zu spüren, ist die Sehnsucht, die mich antreibt, immer wieder von neuem in die Wüste zu gehen", sagt sie. Vor vielen Jahren drängte eine Freundin aus Israel sie förmlich dazu, im Sinai wandern zu gehen - sie liess sich damals überreden und ist heute froh darüber.
"Nur draussen zu sein, praktisch ohne Zivilisation - das beeindruckte mich immer sehr", erinnert sie sich. Aber das dauernde Gerede der anderen Teilnehmer habe sie genervt: "Ich merkte, wie sehr ich die Stille der Wüste für mich brauchte." Die Faszination der Einöde hatte Christine Dettli so gepackt, dass sie nach dieser ersten Woche in der Wüste immer wieder dorthin ging - meistens zusammen mit einer guten Freundin.

Inneren Frieden finden
Dabei ist sie immer zu Fuss unterwegs. "Das Gehen ist ein seelischer Verdauungsprozess", beschreibt Dettli das Gefühl, das sie beim Wandern in dieser speziellen Umgebung empfindet. "In dieser Landschaft dehnt sich die Seele von einem Horizont zum anderen aus", schwärmt die Frau, die im solothurnischen Dornach eine psychotherapeutische Praxis führt. Da draussen gebe es keine Ablenkung des Geistes durch Werbung, Verkehr oder andere Sinneseindrücke. "Man kommt zu sich - das kann auch anstrengend sein", hat Christine Dettli erfahren. Denn beim Wandern in der Wüste lerne man auch seine Schattenseiten kennen: "Wenn man bereit ist, diese anzunehmen, kann man seinen Frieden finden", erklärt Dettli die Wirkung, die eine Reise in die Wüste haben kann.
Unterdessen war Christine Dettli mehr als zwanzig Mal in der Wüste, hauptsächlich in Südmarokko. Die Begegnung mit den Naturkräften und den Landschaften sei überwältigend. Und wer beim Wort
Wüste nur an Sanddünen denkt, liegt falsch: "Da gibt es auch Steine, Berge und Felsschluchten", malt Christine Dettli ein vielfältiges Bild der kargen Landschaft. Was sie zudem gerne nach Marokko zurückkehren lässt, sind persönliche Kontakte: "Ich lernte die Berber, die mich dort führen, gut kennen, bewundere ihre Lebensweise und vertraue ihnen hundertprozentig", erklärt sie.

Erleben teilen
Weil das Wandern und die damit verbundene Selbstfindung sich wie ein roter Faden duch Christine Dettlis Leben ziehen, brach sie vor 16 Jahren auch zum Jakobsweg auf - dem Pilgerweg zum Grab des Apostels Jakob im spanischen Santiago de Compostela. "Das erste Mal war ein Fiasko, mein Gepäck war viel zu schwer und ich war nicht fit genug für die Strecken, die ich zurücklegen musste", erzählt Dettli. Mit den Jahren hat sie aber dazugelernt, heute ist sie immer wieder auf Abschnitten der berühmten Pilgerroute unterwegs, die durch ganz Europa führt. Obwohl die Landschaft auf dem Pilgerweg nicht mit derjenigen der marokkanischen Wüste zu vergleichen ist, sieht Christine Dettli eine Verbindung zwischen den beiden Reisezielen: "In beiden Fällen steht die innere und nicht die äussere Reise im Vordergrund."
Es wurde Christine Dettli mit der Zeit zum Bedürfnis, das tiefe Erleben der Natur in der Wüste und auf dem Jakobsweg sowie das meditative Wandern anderen Menschen zugänglich zu machen. Vor 13 Jahren fing sie deshalb an, Leute auf ihre Reisen mitzunehmen. Zweimal im Jahr führt sie eine Gruppe von höchstens 15 Personen in die Wüste. Auf Wege, die sie selbst gefunden hat, und an Orte, die nur sie kennt. Ausserdem ist sie regelmässig mit Gruppen auf dem Jakobsweg oder zu speziellen Kraftorten unterwegs.

Gesundheit beachten
Die Vorbereitungen für diese Reisen sind für sie Routine, sie trifft sie dennoch äusserst sorgfältig. "Man muss die Gefahren der Wüste kennen und entsprechend ausgerüstet sein", weiss sie.
Deshalb ist ihre Reiseapotheke auch umfangreich und immer auf dem neusten Stand. Wasserfilter und andere Utensilien, die für den Aufenthalt in der Wüste wichtig sind, hat Christine Dettli stets dabei. "Unerfahrene sollten nie allein in die
Wüste gehen, sondern immer mit einer Gruppe und einem ortskundigen Führer", betont die Expertin. Wer noch nie in der Wüste war, unterschätze oft die Eigenheiten, welche die Landschaft und das Klima mit sich bringen.
Christine Dettli wandert in ihren Ferien meistens - kann sie überhaupt an einem Ort bleiben und nichts tun? "Ich kann durchaus auch einmal Strandferien machen - um mich zu erholen", meint sie lachend. Denn mit der Erholung sei es in der Wüste nicht so weit her: "Da kommt man immer wieder irgendwo an existenzielle Punkte." Doch entschädigen grandiose Momente spiritueller Erfahrungen - wie auch Bergsteiger es schildern - sie jedes Mal für die Wüstenstrapazen. Und auch am Meer will Christine Dettli nicht aufs Gehen verzichten: "Ich war schon in der Bretagne am Meer - da spazierte ich dann einfach stundenlang am Strand entlang."
Die Wüste als Reiseziel verleidet der lebhaften Frau nicht, trotzdem kann sie sich vorstellen, dass sie irgendwann einmal nicht mehr dorthin gehen wird: "Der Körper muss mitspielen, wer gesundheitlich angeschlagen ist, kann nicht in die Wüste."
Noch ist sie aber topfit und plant bereits ihre nächsten Reisen. "Ich werde mich bestimmt wieder in der Wüste aussetzen lassen", weiss sie schon jetzt. Wenn sie sich aussetzen lässt, bleibt sie stationär an einem Ort und macht von dort aus täglich kürzere Wanderungen. Nach einer Woche lässt sie sich wieder abholen. "Dabei steht nicht das Gehen, sondern das Sein an einem Ort im Vordergrund", erklärt Dettli. Eine besondere Wunschdestination hat Christine Dettli nicht. Ihr grösster Wunsch ist es, mit möglichst vielen Leuten die Erfahrungen einer inneren Reise zu teilen und sie dabei zu begleiten.
Jede Reise von Christine Dettli führt in unbekannte Gefilde: in die eigene Seelenlandschaft.

Julia Konstantinidis

(erschienen in Apothekenzeitschrift der Schweiz, September 2007)
Copyright © für Texte und Bilder: Christine Dettli